„Wenn ich mal Zeit und Ressourcen habe, würde ich das gerne noch machen“ – Manchmal endet ein Forschungsprojekt, die Arbeit ist abgegeben und benotet, der Abschluss ist da, und trotzdem bleibt da noch ein etwas übrig, das man inhaltlich gerne noch verwirklicht hätte. So ging es mir auch nach meinem Masterabschluss vor fünf Jahren. In meiner Master-Thesis „Knotenpunkt Wetzlar – Juristische Karrieren im Umfeld des Reichskammergerichts (1693-1806)“ habe ich die Verflechtungen von Karriereverläufen junger Juristen nach ihrem Universitätsabschluss untersucht und mich gefragt, welche Rolle Mobilität und strategische Auswahl von Ausbildungsstationen im 18. Jahrhundert gespielt haben. In den von mir erhobenen Daten zu den Personen sah ich über meine Masterarbeit hinaus das Potential für ein systematisches Recherchewerkzeug für weitere Untersuchungen. Meine monatelange Quellenarbeit sollte nicht auf dem USB-Stick in der Schublade verschwinden, sondern für alle Interessierten zugänglich und nutzbar sein. Doch erst als Zeit, Ressourcen und Gelegenheit zusammenkamen, konnte ich dieses Vorhaben realisieren: die Veröffentlichung der „Praktikanten-Datenbank“. „Kreuzende Wege in der kleinen Stadt – „Knotenpunkt Wetzlar“ digital“ weiterlesen
Schlagwort: data curation
Bewahrende Erneuerung: Europäische Friedensverträge online
von Fabian Cremer und Thorsten Wübbena1
In der Geschichte Europas markieren die in Konflikten und Bündnissen geschlossenen Friedensverträge Grundpfeiler des heutigen Europas und gehören zum kulturellen Erbe. Die Forschung zu Friedensprozessen hat am IEG eine lange und vielfältige Tradition. Eine der wichtigsten Ressourcensammlung wurde jetzt neu aufgelegt: Die Datenbank und Online-Edition Europäische Friedensverträge der Vormoderne. An diesem Vorhaben kristallisieren sich viele Entwicklungen in den Digital Humanities der letzten zehn Jahre: Forschungsdaten, nachhaltige Infrastrukturen, digitale Editionsstandards, und der Umgang mit einem digitalen kulturellen Erbe. „Bewahrende Erneuerung: Europäische Friedensverträge online“ weiterlesen
Data ethics in historical research: Recognizing responsibility
Data may be misleadingly considered an objective and impartial product. When doing historical research based on data (re)use, applying an ethical perspective becomes essential. Data is neither neutral or objective, nor are our practices for accessing, analyzing, and documenting it. Any discourse on the production of knowledge or on technology that creates and/or manipulates knowledge implies an ethical discourse and (un)conscious decisions. Ethics imply responsibility, as ignoring ethical issues or not taking action means, in many cases, perpetuating the existing biases and inequalities. The need for scholarly exchange in order to navigate the multifaceted and complex dimensions of research ethics was also reflected in the more than 200 registrations for the conference “Data Ethics for Historical Research in a Digital Era”, about which we would like to share our thoughts in this blog post.1
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Europe Goes on Holiday: Potenziale und Herausforderungen der Aufbereitung von Daten über den Beitrag des Europäischen Parlaments zur gemeinsamen Tourismuspolitik
von Elisa Tizzoni
Kann eine schlichte Arbeitstabelle Interesse für ein bisher vernachlässigtes Thema in der europäischen Geschichte auslösen? Und kann ein Blick auf die Dokumentation des EU-Parlaments Überlegungen über die Rolle des Tourismus in unserer Gesellschaft und seine Auswirkungen auf die europäische Integration anregen?
Das sind die Herausforderungen, die ich mir gestellt habe, als ich mich um ein NFDI4Memory FAIR Data Fellowship am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte beworben habe, um Unterstützung bei der Aufbereitung und Veröffentlichung eines Datensatzes zu erhalten, das die vom Europäischen Parlament zum Thema Tourismus im Zeitraum 1979-1999 vorgelegten Anfragen erfasst. „Europe Goes on Holiday: Potenziale und Herausforderungen der Aufbereitung von Daten über den Beitrag des Europäischen Parlaments zur gemeinsamen Tourismuspolitik“ weiterlesen
What You See Is What You … Have to Revise Afterwards
von Martin Prell
Daten und Zielstellung
Im Juli 2024 hatte ich dank eines FAIR-Data-Stipendiums von NFDI4Memory am DH Lab des IEG die Gelegenheit, ein Datenset zu transformieren, das wenige Jahre zuvor am Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte der Universität Jena entstanden war: Das in der staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz befindliche handschriftliche Reisetagebuch zur Kavalierstour des pietistischen Grafen und späteren Fürsten Heinrich XI. Reuß-Greiz (1722–1800) in den Jahren 1740 bis 1742 war damals durch die Thüringer Landes- und Universitätsbibliothek digitalisiert und mit Hilfe der virtuellen Forschungsumgebung FuD transkribiert und annotiert worden. FuD beinhaltet unter anderem einen sogenannten WYSIWYM-XML-Editor; ein Akronym für „What you see is what you mean“, da die Eingabe der Daten in einer graphischen Oberfläche stattfindet, ohne dabei zwingend mit Auszeichnungskodierung in Berührung zu kommen. Die avisierte Präsentation des Tagebuchs im Editionenportal Thüringen war zum Ende der Erschließung nicht mehr möglich. Ziel des FAIR Data-Stipendiums war es daher, die FuD-XML-Forschungsdaten so zu transformieren und zu publizieren, dass die Edition bestmöglich auffindbar, langfristig zugänglich, interoperabel und nachnutzbar wird. „What You See Is What You … Have to Revise Afterwards“ weiterlesen
4230 Zeilen unter dem Datenmeer: Nutzung von OpenRefine zur Datenbereinigung bei uneindeutigen Datensätzen in DigiKAR
von Meike Starke und Catharina Strokowsky
Die Arbeit mit uneindeutigen Daten lässt auch technische Lösungen irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Diese Herausforderung stellte sich auch bei der Arbeit mit Daten zu den Lebenswegen von frühneuzeitlichen Professoren im Projekt „Digitale Kartenwerkstatt Altes Reich“ (DigiKAR). Eine manuelle Bereinigung war notwendig, um mehr als 750 Informationen zu Lebensereignissen zu prüfen und zu korrigieren. Als uns Hilfskräften diese Aufgabe übertragen wurde, hatten wir bisher keinerlei praktische Erfahrung mit der Arbeit an Datensätzen und haben unsere eigene Arbeitsweise anhand dieses Projekts entwickelt. In diesem Post schildern wir unsere ersten Erfahrungen, um Anfänger*innen Hilfestellungen zum Einstieg zu geben und Erfahrenen unsere Perspektive zu eröffnen. Auf zu unserem ersten Tauchgang ins Datenmeer! „4230 Zeilen unter dem Datenmeer: Nutzung von OpenRefine zur Datenbereinigung bei uneindeutigen Datensätzen in DigiKAR“ weiterlesen