„Wenn ich mal Zeit und Ressourcen habe, würde ich das gerne noch machen“ – Manchmal endet ein Forschungsprojekt, die Arbeit ist abgegeben und benotet, der Abschluss ist da, und trotzdem bleibt da noch ein etwas übrig, das man inhaltlich gerne noch verwirklicht hätte. So ging es mir auch nach meinem Masterabschluss vor fünf Jahren. In meiner Master-Thesis „Knotenpunkt Wetzlar – Juristische Karrieren im Umfeld des Reichskammergerichts (1693-1806)“ habe ich die Verflechtungen von Karriereverläufen junger Juristen nach ihrem Universitätsabschluss untersucht und mich gefragt, welche Rolle Mobilität und strategische Auswahl von Ausbildungsstationen im 18. Jahrhundert gespielt haben. In den von mir erhobenen Daten zu den Personen sah ich über meine Masterarbeit hinaus das Potential für ein systematisches Recherchewerkzeug für weitere Untersuchungen. Meine monatelange Quellenarbeit sollte nicht auf dem USB-Stick in der Schublade verschwinden, sondern für alle Interessierten zugänglich und nutzbar sein. Doch erst als Zeit, Ressourcen und Gelegenheit zusammenkamen, konnte ich dieses Vorhaben realisieren: die Veröffentlichung der „Praktikanten-Datenbank“.
Meine Untersuchungsgruppe waren die Praktikanten am Wetzlarer Reichskammergericht, die sich dort – ähnlich wie im heutigen Referendariat – zwischen einem halben Jahr und teils auch mehrere Jahre aufhielten, um sich in Vorlesungen oder im Privatunterricht bei Anwälten und Richtern über die Prozessordnung auf Reichsebene fortzubilden und die Gutachtentechnik an den höchsten Reichsgerichten einzuüben. Praktika für Juristen waren neben dem Reichskammergericht auch an anderen zentralen Institutionen des Reichs möglich, etwa am Wiener Reichshofrat oder dem Regensburger Reichstag. Auch vor dem 18. Jahrhundert liest man vereinzelt in Autobiographien oder Gerichtssatzungen von Praktikanten, sie sind aber für keine Institution besser dokumentiert als am Reichskammergericht während seiner Wetzlarer Periode. Denn für die Zeit zwischen 1693 und 1806 ist eine Matrikel überliefert, in die sich 1732 Juristen bei ihrer Ankunft in Wetzlar in der Regel mit Namen, Herkunftsort, akademischem Grad und Tagesdatum eintrugen. Wie an Universitäten auch bedeutet die Immatrikulation die Aufnahme der Praktikanten in die Rechtsgemeinschaft des Gerichts. Die Verpflichtung zur Anmeldung bei einem Deputierten und die Einschreibung beim Pedell war seit 1563 vorgesehen und vor allem im 18. Jahrhundert mehrfach verschärft worden.1 Über 1700 Namen und fast genauso viele Orte und Datumsangaben legen jeweils ein kleines Fenster von juristischen Karrierewegen zwischen Holstein und Brixen, Stavelot und Bratislava frei. Die Wetzlarer Matrikel bietet damit viele Ansätze, den Verflechtungen zwischen Karrieren auf den Grund zu gehen.
Recherchetool und historisch-kritische Edition nach 92 Jahren
Eine erste Edition der Matrikel stammt von Werner Schmidt-Scharff, einem Gerichtsassessor aus Frankfurt am Main.2 Dieser Abdruck der Praktikantenmatrikel in der Zeitschrift „Archiv für Sippenforschung“ aus dem Jahr 1934 ist die erste umfangreichere Bearbeitung des Namensverzeichnisses, das sich seinerzeit noch im Bestand des Wetzlarer Stadtarchivs befand. Erste Aufmerksamkeit bekam die Matrikel bereits durch Heinrich Gloëls populäre Monographie „Goethes Wetzlarer Zeit“3, die den Blick auf das literarische Leben Wetzlars richtet, das im 18. Jahrhundert auch maßgeblich durch die Praktikanten – darunter auch ein gewisser „Johann Wolfgang Goethe“4 aus Frankfurt – geprägt wurde.
Schmidt-Scharff interessierte sich für diesen Aspekt der Stadtgeschichte weniger, sondern verfolgte sein Editionsprojekt mit einer genealogischen Intention. Er wollte den Blick „[…] über das Einzelschicksal hinaus zu lenken […] statt sich im Anekdotenhaften zu verlieren“5 und damit die zu Beginn der 1930er Jahre vereinzelt bekannten Werdegänge berühmter Richter und Anwälte am Reichskammergericht in einen größeren Kontext von Verwandtschaftsbeziehungen zu stellen. Den Fokus seiner Bearbeitung legte Schmidt-Scharff auf die Nachnamen und Ortsangaben. Vornamen wurden entweder abgekürzt oder eingedeutscht wiedergegeben, bei Nachnamen wurden Latinisierungen geglättet, die Datumsangaben beschränken sich auf die Jahresangabe. Im Kommentar zu seiner Edition verweist er auf eine „Arbeitskartei“, in der die Datumsangaben vollständig aufgelistet sind.6 Besonders problematisch sind aus heutiger Sicht die Ortsangaben: Anstelle einer quellengetreuen Wiedergabe hat Schmidt-Scharff diese häufig durch nationalsozialistische Bezeichnungen ersetzt. Sein ideologischer Blick auf das Reichskammergericht wird weiterhin anhand einer Rezension deutlich, die er in derselben Ausgabe des „Archivs für Sippenforschung“ veröffentlichte. Darin geht er auf die Frage von Aufstieg und Niedergang des Gerichts ein und verbindet letzteren mit der Beteiligung jüdischer Prozessparteien.7
Für mich war klar, dass ich meine Forschungen nicht allein auf diese Edition stützen kann, sondern eine eigene Transkription anfertigen muss, die sich an heutigen Standards historisch-kritischer Editionen orientiert. So entstand bereits während der Arbeit an meiner Master-Thesis eine Excel-Tabelle, die die quellengetreue Schreibweise von Namen, Datumsangaben oder Amtsbezeichnungen wiedergibt, dadurch aber teilweise nur schwer durchsuchbar ist.
Während ich an diesem Text arbeite, schreibe ich die letzten Seiten meiner Dissertation und reiche bald ein. Warum dann wieder zurück zu einem fast sechs Jahre alten Projekt? Nachdem die Abschlussarbeit abgegeben war, blieb der Gedanke, aus meiner Excel-Tabelle mehr zu machen und sie als Recherchetool öffentlich zugänglich zu machen. Dass das Menschen interessieren könnte, wurde mir immer wieder in meinen Museumsführungen im Reichskammergerichtsmuseum gespiegelt. Viele Gäste möchten mehr über die vielen Menschen erfahren, die in diesen 113 Jahren am Gericht gearbeitet haben. Der „Knotenpunkt Wetzlar“, wie ich das Gericht und sein Umfeld in meiner Thesis genannt habe, fasziniert. Denn in dieser kleinen Reichsstadt wurde durch Rechtsprechung große Politik gemacht. Hier kreuzten sich Karrieren von denen, die später Bestseller schrieben – ob nun Briefromane oder juristische Lehrbücher – oder die preußischen Verwaltungsreformen vorantrieben. Mein Ziel war es vor allem, Verflechtungen und sich kreuzende (Karriere-)Wege sichtbar zu machen. Denn viele Praktikanten trugen sich gruppenweise in die Matrikel ein, manchmal aus demselben Ort kommend, teils begegnen uns Jahrzehnte später die gleichen Familiennamen.
Schauen wir uns diese Verflechtungen einmal an einem Beispiel an: Am 12.05.1789 trugen sich sechs Personen8 in die Praktikantenmatrikel ein. Ob die Herren Stapf, Stoecklein, Molitor, Ullheimer, von Solms-Laubach und Seyd als Gruppe das Haus „Alte Kammer“ am Domplatz betraten, wo sich Kanzlei des Gerichts befand, wissen wir nicht mit Sicherheit. Nahe liegt diese Vermutung zumindest für die ersten vier Personen von ihnen, die alle aus Bamberg anreisten. Eine kürzere Anreise dürfte unter ihnen Friedrich Ludwig Christian Graf von Solms-Laubach gehabt haben. Seine Karriere ist in dieser Gruppe am umfangreichsten dokumentiert und ein interessantes Beispiel für die Frage nach Verflechtung und Mobilität in Juristenkarrieren. Nach seinem sechsmonatigen Aufenthalt in Wetzlar war der Graf noch am Reichstag in Regensburg und dem Wiener Reichshofrat tätig, wo er ein Jahr später Teil des Richterkollegiums wurde.9 Er steht damit mit seiner Praktikumsreise exemplarisch für die von Wolfgang Burgdorf so bezeichnete „Reichsrechtliche Peregrinatio Academica“, als eine auf Mobilität ausgerichtete Karrierestrategie.10 Ein weiterer Praktikant aus dieser Gruppe, der 1760 geborene Valentin Molitor, wurde später Juraprofessor in Mainz11 – der Ort, den mit Abstand die meisten Praktikanten als Herkunftsort angaben.
Im Zuge meiner Thesis habe ich bereits eine grobe Erhebung von Einschreibefrequenz und Herkunftsorten durchführen, die Karriereverläufe vereinzelter Personen rekonstruieren und auf dieser Basis eine Typologie des Mobilitätsverhaltens herleiten können. Die Wetzlarer Praktikanten als Teil einer Verflechtungs- und Netzwerkgeschichte zu sehen, konnte ich im Rahmen der Abschlussarbeit nur schlaglichtartig verfolgen. Um diese Frage systematisch bearbeiten zu können, fehlte bisher eine Ressource: Eine gut durchsuchbare Datenbank, die Verknüpfungen zwischen Personen sowie ihre Nachkarrieren abbildet. Das Desiderat war mit der Abgabe der Arbeit formuliert, allein es fehlten die zeitlichen, finanziellen und praktischen Ressourcen, um das Projekt „Praktikanten-Datenbank“ anzugehen. Das änderte sich im November letzten Jahres, als ich in einem Workshop der AG Digital Humanities vom Gießener Historischen Institut saß und vom FAIR Data Fellowship von NFDI4Memory hörte. Jetzt bekam ich eine erste Idee davon, wie aus meinem Vorhaben wirklich ein Produkt werden könnte. Also reichte ich meinen Projektabstract zwei Wochen später zur Bewerbungsfrist ein und wurde am DH Lab des IEG Mainz als Fellow angenommen.
Der Weg zur Datenbank
Die 58 Blatt starke Praktikantenmatrikel ist heute im Bundesarchiv Berlin12 überliefert. Dem Namensverzeichnis vorgelagert sind 16 Druckseiten mit einer lateinischen Gründungsgeschichte des Reichskammergerichts und einer Auflistung aller zum Anlass der Neueröffnung in Wetzlar amtierenden Personen. Es folgt der Praktikanteneid mit einem Fragenkatalog zu Ausbildung und Herkunft, den die Inskribenten dem Pedell des Gerichts beantworten mussten. Ihre Antworten sind in der Matrikel nicht überliefert. Weiterhin sind auf manchen Seiten die Namen der Deputierten vermerkt, bei denen sich die Inskribenten anmelden mussten. In der Datenbank sind diese Informationen in der Spalte „Weitere Angaben“ festgehalten.
Auf den Seiten der durchgängig geführten Liste ist jeweils am linken Rand ein Papierstreifen eingeklebt, auf dem Ordnungszahlen notiert wurden. Diese Nummerierung weicht an einigen Stellen ab und ist teilweise so angebracht, dass sich die jeweilige Zahl auch zwischen Namen befindet. Deshalb musste ich für meine Datenaufbereitung zuerst IDs für jede eingeschriebene Person vergeben, um diese zweifelsfrei zuzuordnen. Schon in diesem ersten Schritt habe ich herausgefunden, dass sich drei Personen mehr als bisher gedacht eingetragen haben. Das hatte ich in meiner ersten Transkription übersehen.
Dann habe ich mit der Normalisierung begonnen und habe mit dem einfachsten angefangen, den Datumsangaben. Mit überschaubarem Arbeitsaufwand und mithilfe von Sprachmodellen13 und Excel-Formeln habe ich Angaben wie „die 19. 7bris 1729“ in das Format „TT.DD.JJJJ“ (hier also: 19.09.1729) übertragen. Die durch das identische Tagesdatum gemeinsam angereisten Praktikanten habe ich in der Spalte „Datumsgruppe“ entsprechend markiert. Wenn nur das Jahr überliefert ist, wurde das Tagesdatum auf den 1. Januar und in eckige Klammern gesetzt.
Weiter ging die Normalisierung mit den Orten. Hier konnte ich mich teilweise mit Schmidt-Scharff behelfen, der die lateinischen Ortsbezeichnungen eingedeutscht hatte. Anstelle einer Wiedergabe von Schmidt-Scharffs Ortsbezeichnungen habe ich mich dafür entschieden, die heutigen Ortsnamen anzugeben. Bei Ortsnamen außerhalb des heutigen Deutschlands wird der Name in der heutigen Amtssprache zuerst genannt und die deutsche Bezeichnung in Klammern gesetzt (etwa: Wrocław (Breslau)).
Alle Orts- und Personennamen habe ich mit dem Tool OpenRefine14 normalisiert. Bei den Orten habe ich mich auf die Angabe der GND-ID beschränkt, während bei den Personennamen zwei Spalten unter „Normalisierung“ zu finden sind: Die Verlinkung zu WikiData und die GND-ID. Die häufig auftretenden Mehrfachvornamen, die nur mit dem Anfangsbuchstaben wiedergegeben wurden, waren eine der zentralen Herausforderungen bei der Normalisierung. In diesen Fällen hat mir OpenRefine mehrere Personen vorgeschlagen, die ich dann einzeln geprüft habe. Häufig hatte ich neben dem Namen noch eine Jahresangabe in der GND gefunden, die auf Wirkungs- und vereinzelt auch Lebensdaten verweist. Nach Abgleich mit der Datumsangabe der Matrikel habe ich dann überprüft, ob der jeweilige Treffer plausibel ist. Wenn Vor- und Zuname(n) passten, ich aber keine Jahresangabe finden konnte, habe ich auf eine Verlinkung dieser Einträge mit der Normdatei verzichtet, weil die Personen in diesem Fall nicht eindeutig zuordbar waren. Stellenweise habe ich auch Personen gefunden, die mutmaßlich Väter oder Söhne des eingetragenen Praktikanten sein können. Diese Vermutungen habe ich im Kommentarfeld dokumentiert.
Im Bereich der Amtsbezeichnungen habe ich keine Veränderungen vorgenommen. Das hat arbeitsökonomische Gründe, weil die Formulierungen hier sehr disparat sind und sich nur schwer vereinheitlichen lassen.
Nachdem ich Datumsangaben, Orte und Namen normalisiert und letztere mit Verlinkungen versehen hatte, habe ich als letzten Schritt einen Abgleich mit den biographischen Verzeichnissen aus der Sekundärliteratur zu Richtern und Anwälten am Reichskammergericht sowie dem Wetzlarer Wohnungsverzeichnis und der Gießener Datenbank zu Studentischen Stammbüchern vorgenommen.15 Die jeweiligen Treffer sind in der Spalte „Weitere Nachweise“ dokumentiert. Stellenweise handelt es sich hier um Vermutungen, die entsprechend mit dem Zusatz „mglw.“ gekennzeichnet sind.
Am Ende meines FAIR Data-Fellowships habe ich eine Datenbank veröffentlicht, die gleichermaßen als Edition und Recherchetool benutzt werden kann. Durch die Normalisierung können nun einige Personen eindeutiger identifiziert und ihre Spuren weiterverfolgt werden. Durch die Publikation in einem Forschungsdatenrepositorium ist einerseits eine Langezeitarchivierung gewährleistet, andererseits bietet mir dieses Format aber auch die Möglichkeit, die Datenbank anzupassen und wachsen zu lassen. Denn das soll sie ausdrücklich: Ich bin jederzeit offen für Kommentare, Korrekturen und Hinweise auf weitere Ressourcen, die in die Verknüpfungen unter „Weitere Nachweise“ eingearbeitet werden können.
Diese erste Version der „Praktikanten-Datenbank“ ist nicht nur eine erweiterte Dokumentation meiner eigenen Forschungsarbeit, sondern in erster Linie als niedrigschwellige und frei zugängliche Ressource für weiterführende Recherchen gedacht. Zudem ist meine Datenbank die erste Forschungsdatenpublikation aus dem Fachbereich „Geschichts- und Kulturwissenschaften“, die in JLUdata erscheint. Das FAIR Data-Fellowship hat mir die nötigen Ressourcen und das technische Wissen bereitgestellt, um die Datenbank nach meinen Vorstellungen zu verwirklichen und eine fünf Jahre währende Idee umzusetzen.
Datensatz
Lena Frewer. 2026. „Juristische Karrieren im Umfeld des Wetzlarer Reichskammergerichts (1693-1806)“. JLUdata. doi:https://doi.org/10.22029/jlupub-21108.
Literatur
- Burgdorf, Wolfgang: Die Reichsrechtliche Peregrinatio Academica im 18. Jahrhundert. In: Baumann, Anette; Oestmann, Peter et al. (Hg.): Reichspersonal. Funktionsträger für Kaiser und Reich. Köln/Weimar/Wien 2003, S. 21-59. (=Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, 48).
- Frewer, Lena: Auf Reisen in Sachen Karriere. Rechtspraktikanten am Reichskammergericht neu betrachtet (1693-1806). Wetzlar 2021. (=Schriftenreihe der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung, 49). DOI: 10.17176/20211125-121050-0.
- Gloël, Heinrich: Goethes Wetzlarer Zeit. Bilder aus der Reichskammergerichts- und Wertherstadt. Berlin 1911 [Nachdruck: Wetzlar 1999].
- Oestmann, Peter (Hg.): Gemeine Bescheide. Teil 1: Reichskammergericht 1497-1805. Köln/Weimar/Wien 2013. (=Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, 63/1).
- Schmidt-Scharff, Werner: Die Matrikel der Praktikanten am Reichskammergericht in Wetzlar 1693-1806. In: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete 11 (1934), S. 297-317.
Featured Image: Gießen, Universitätsbibliothek, Hs 1216c, Stammbuch eines vermutlich württembergischen Studenten, 18. Jahrhundert, S. 344, urn:nbn:de:hebis:26-digisam-25479, Public Domain.
- Die Immatrikulation für Praktikanten wurde in den „Gemeinen Bescheiden“ des Gerichts normiert, so etwa im Bescheid vom 09.06.1747. So sollten sich „[…] alle und jede Personen, […] die, um Praxin Cameralem zu erlernen, sich entweder gegenwärtig allhier aufhalten und noch nicht immatriculiret oder auch inskünftige ankommen werden, […] sich ungesäumt bey denen Herren Kammerricher, Präsidenten und Beysitzern anmelden und nach vorgängiger Anzeige bey denen darzu geordneten Deputierten durch den Pedellen aufzeichnen und immatriculiren lassen sollen, da sonst in dem Entstehungsfall sie sich selbsten beyzumessen haben werden, wann ihnen der Schutz, Freyheit und andere Vortheile derer kammergerichtlichen Personen nicht angedeyhen werden […]“. Oestmann, Peter (Hg.): Gemeine Bescheide. Teil 1: Reichskammergericht 1497-1805. Köln/Weimar/Wien 2013, S. 694. [↩]
- Es finden sich nur vereinzelte biographische Informationen über Werner Schmidt-Scharff. Er wurde vermutlich im Jahr 1903 geboren, seit dem 16.04.1945 gilt er als vermisst. Siehe https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/9202_manskopf-jakob-nicolaus-alexander (14.07.2026). Als Gerichtsreferendar war er als redaktioneller Mitarbeiter für die Zeitschrift „Alt-Frankfurt“ tätig, so hat er etwa in Ausgabe 6 (1930), S. 79 eine Berichtigung eines Aufsatzes verfasst: https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/periodika/periodical/zoom/9542462 (14.07.2026). Im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden findet sich eine Akte zu seiner Todeserklärung, die 1963 endet. Darin befindet sich ein Brief Schmidt-Scharffs an seine Eltern aus dem Jahr 1945. HHStAW, 469/33, 4749, https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/showArchivalDescriptionDetails.action?archivalDescriptionId=1541318&executionId=2KOydei315 (14.07.2026). [↩]
- Vgl. Gloël, Heinrich: Goethes Wetzlarer Zeit. Bilder aus der Reichskammergerichts- und Wertherstadt. Berlin 1911 [Nachdruck: Wetzlar 1999], S. IX. Heinrich Gloël (1855-1940) war seit 1900 als Gymnasiallehrer in Wetzlar tätig und von 1910 bis 1933 Vorsitzender des Geschichtsvereins. Auf seine schon nach wenigen Jahren vergriffene Monographie folgten zahlreiche weitere Publikationen zum literarischen Leben im Wetzlar des ausgehenden 18. Jahrhunderts, vgl. Jung, Irene: Einleitung, in: Ebd. [unpaginiert]. Zu seinem Werdegang vgl. auch: https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/24676?suchbegriff=Heinrich%20Gloel&kontext=gsearch&zeiger=1 (15.07.2026). [↩]
- ID: 40r-0958. [↩]
- Schmidt-Scharff, Werner: Die Matrikel der Praktikanten am Reichskammergericht in Wetzlar 1693-1806. In: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete 11 (1934), S. 297-317, S. 297. [↩]
- Diese Kartei ist vermutlich heute im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte überliefert, Signatur: ISG FFM, S6b-16. Im Regest zur „Materialsammlung Familie Schmidt-Scharff“ findet sich die Angabe „20 Karteikästen (Personendatei)“, die möglicherweise im Zuge der Matrikeledition angelegt wurden. https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/showFondsDetails.action?fondsId=12804&executionId=2KOydei315 (14.07.2026). [↩]
- In seiner Rezension zu einem 1933 erschienenen Aktenrepertorium stellt er zwei Fälle aus den Jahren 1501 und 1803 gegenüber. So habe das Reichskammergericht im Jahr 1803 „[…] zu bestätigen, wie der Obristmeister des Johanniterordens in Deutschen Landen 7 Kommenden für 200 000.– Gulden an Mayer Amschel Rothschild verpfändet. Welch ein Abstieg im Prozeßstoff und im Ansehen des Gerichts!“ Schmidt-Scharff, Werner: [Rezension] Otto Koser: Repertorium der Akten des Reichskammergerichts, untrennbarer Bestand. I. Prozeßakten aus der Schweiz, Italien, den Niederlanden und dem Baltikum, sowie Akten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, herausgegeben im Auftrage des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine. Heppenheim an der Bergstraße 1933 (Ekkehardverlag). In: Archiv für Sippenforschung 11 (1934), S. 322-323, S. 323. [↩]
- „Gruppe 12.05.1789“, ID: 51v-1428 bis einschl. 1430. [↩]
- Zu seinem Karriereverlauf vgl. auch Frewer, Lena: Auf Reisen in Sachen Karriere. Rechtspraktikanten am Reichskammergericht neu betrachtet (1693-1806). Wetzlar 2021, S. 5. [↩]
- Burgdorf, Wolfgang: Die Reichsrechtliche Peregrinatio Academica im 18. Jahrhundert. In: Baumann, Anette; Oestmann, Peter et al. (Hg.): Reichspersonal. Funktionsträger für Kaiser und Reich. Köln/Weimar/Wien 2003, S. 21-59. (=Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, 48). [↩]
- Vgl. seinen Eintrag im Mainzer Professorenverzeichnis: https://www.gutenberg-biographics.ub.uni-mainz.de/personen/register/eintrag/m/valentin-molitor.html (15.07.2026). [↩]
- Signatur: BA Berlin, AR 1 U 33. [↩]
- Hier habe ich mit Microsoft Copilot gearbeitet und folgende Prompts verwendet: 1. „In Spalte M stehen Datumsangaben. In manchen Zeilen steht dort nur eine Jahresangabe. Identifiziere alle Zeilen, auf die das zutrifft und setze das Datum auf den 01.01.“ 2. „Viele der übrigen Datumsangaben sind latinisiert, z.B. bedeutet ‚xbris‘ ‚Dezember‘. Vereinheitliche diese Datumsangaben nach dem Format TT.MM.JJJJ“. [↩]
- Bei meiner Normalisierung habe ich mich an der Anleitung aus dem Workshop „Warum OpenRefine?“ von Benjamin Rosemann orientiert, der innerhalb des Projekts „FDMLab“ am Landesarchiv Baden-Württemberg entstanden ist. Der Workshop ist vollständig hier dokumentiert: https://fdmlab.landesarchiv-bw.de/workshop/openrefine-einsteiger/warum-openrefine/ (14.07.2026). [↩]
- Alle Literaturangaben sind in einem separaten PDF-Dokument aufgelistet, die gemeinsam mit der Datenbank über das Repositorium JLUdata abrufbar ist. [↩]
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OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Lena Frewer (31. Juli 2026). Kreuzende Wege in der kleinen Stadt – „Knotenpunkt Wetzlar“ digital. DH Lab. Abgerufen am 16. September 2026 von https://doi.org/10.58079/16n82